Frankfurter Neue Presse

Journal Frankfurt zu "Patientenrache"

"...das Tempo, mit dem Olaf Jahnke seinen Krimi begonnen hat, ist selbst für das übliche Krimi-Genre schon sehr hoch. Selbst gestandene Autoren des Genres schaffen es oft erst am Ende ihrer Story, auf dieses Tempo zu kommen. "

Ein auf Tempo getrimmter Krimi aus der Welt des feinen Zwirns: Tod eines Revisors

Ralf Julke
Olaf Jahnke: Tod eines Revisors.
Olaf Jahnke: Tod eines Revisors.
Foto: Ralf Julke
Dass die Anzugträger aus Mainhattan nicht unbedingt eine feine Gesellschaft sein müssen, dass wissen Leser der Krimis aus dem fhl Verlag schon seit 2012. Nun legt mit Olaf Jahnke einer einen Frankfurt-Krimi vor, der die Szene aus seiner eigenen Arbeit als Journalist kennt. Er hat mal in der FAZ-Fernsehproduktion gearbeitet, ist heute beim Hessischen Rundfunk. Da weiß man, wie unnahbar sich die Götter in Zwirn gern geben. Und wie schwer es ist, ihren Geschäften auf die Spur zu kommen.



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Im Grunde kann da nur mithalten, wer in der Lage ist, ganze Scharen von Ermittlern und Anwälten zu beschäftigen. Aber was tut eine verunsicherte Witwe, wenn sie nicht glauben will, dass ihr Mann Selbstmord begangen hat - einfach so? Und die Polizei schon den Aktendeckel geschlossen hat. Kommt doch wohl häufiger vor, dass einer aus der hartgesottenen Frankfurter Finanzwelt sich in eine Nervenklinik begibt, um mal die Folgen des täglichen Aufputschens auszukurieren. Und dann und wann verkraftet das einer nicht und nimmt sich eine Überdosis. Banker tot. Akte zu.

Nur Charlotte Scherer glaubt das nicht. Und beauftragt einen dieser vierschrötigen Privatschnüffler in der langen Traditionslinie des Philip Marlowe, der aus guten Gründen seinen Polizistenjob vor einer Weile an den Nagel gehängt hat und nun als Privatdetektiv den gut zahlenden Kunden die Erkenntnisse verschafft, die sie sich wünschen. Dem ein oder anderen frustrierenden Ex-Kollegen begegnet er auch. Wer aufmerksam liest, merkt recht schnell, dass er hier nicht in den harten Zeiten der 1930er in den USA ist, als die Mafiosi auf dem Tisch tanzten und hartgesottene Typen wie Marlowe wohl Gold wert, aber so unbeliebt waren wie die Steuerprüfer.


Olaf Jahnke: Tod eines Revisors.
Olaf Jahnke: Tod eines Revisors.
Foto: Ralf Julke


Das ist hier ist ein Stück aus Hessen, Jahrgang 2014. Könnte auch Sachsen sein. Die deutschen Innenminister haben zur Polizei wohl mittlerweile alle dieselbe Haltung: Zu viel davon schadet den Geschäften, den dubiosen erst recht. Also spart man die Truppe zusammen, bis sie nicht mehr kriechen kann und geht lieber mit den feinen Zwirnträgern auf den Ball.

Eigentlich kein Problem für Roland Bernau. Er soll ja nur rauskriegen, warum Herr Scherer eine Überdosis im Magen hatte. Immerhin ist der Arbeitgeber, eine berühmte Bank im Herzen Mainhattans, kooperativ. Er darf die heilige Chefetage sogar mal kurz besuchen und sich erklären lassen, dass der Innenrevisor so einer Bank zwar einen harten Job macht, aber trotzdem von allen geliebt wird. Wie das so ist bei großen Banken: Innenkontrolle ist alles.


Nur ist Bernau eben doch ein Typ wie Marlowe, einer, der gelernt hat, dass der schöne Schein immer trügt und dass man sich einfach nur festbeißen muss, dann kriegt man auch was raus. Zum Beispiel auch, dass ein paar sehr mächtige Zeitgenossen kein Interesse daran haben, dass irgendwer irgendwas rauskriegt. Und weil sie so ein Interesse haben, haben sie auch die notwendigen Beziehungen überall da hin, wo man dafür sorgen kann, dass Dinge aufhören, für irgendwen interessant zu sein.

Wir sind immer noch nicht in Sachsen. Wir sind weiter in Hessen. Wobei natürlich die Frage ist: Wer ist hier Vorbild für wen? Für den Anruf unter alten Freunden etwa, der eine ist eben Bankvorstand geworden, der andere Staatsanwalt oder irgendein hohes Tier im Innenministerium. Alles Höhen, die Bernau anfangs überhaupt nicht interessieren, die sich vielleicht auch gar nicht gestört fühlen würden, wäre der mysteriöse Todesfall des Revisors Scherer nicht auf einmal irgendwie verquickt mit einem alten Fall von Wende-Kriminalität, bei dem sich ein paar honorige Herren just aus der betroffenen Bank dereinst goldene Nasen und beste Aufstiegs-Reputationen verdient haben. Ein Vorgang, der nun auch eine junge Frankfurter Journalistin auf den Plan ruft, die sich ziemlich schnell als ideale Ergänzung des Helden erweist. Kein Krimi ohne Liebe. Womit die Sache noch mehr Tempo aufnimmt. Was in diesem Fall etwas bedeutet, denn das Tempo, mit dem Olaf Jahnke seinen Krimi begonnen hat, ist selbst für das übliche Krimi-Genre schon sehr hoch. Selbst gestandene Autoren des Genres schaffen es oft erst am Ende ihrer Story, auf dieses Tempo zu kommen.


Olaf Jahnke: Tod eines Revisors.
Olaf Jahnke: Tod eines Revisors.
Foto: Ralf Julke
Denn tatsächlich ist es eigentlich auch nicht allzu gesund, wie nicht nur Bernau bald merken muss, als sich nicht nur die Puzzle-Stücke verdichten, die so langsam ein Bild ergeben, sondern auch die mysteriösen Vorfälle, die ihn merken lassen, dass er da mindestens einer sehr wichtigen Person auf die Füße getreten ist, einer Person, die auch über die Macht verfügt (und wohl auch das Geld), ihm die Hölle so richtig heiß zu machen, die Skrupellosigkeit sowieso.

Und wie das so ist bei Marlowe-Typen: Sie hören nicht auf. Zumindest nicht gleich und sofort. Sind ja keine Polizeikommissare, die der Chef mal kurz zurückpfeifen oder kaltstellen kann, sondern eher die letzten bewunderten Retter der Gerechtigkeit, denen die schicken Anzüge und die abgeschotteten Vorstandsetagen der großen Ganoven nicht heilig und schon gar nicht unantastbar sind. Und die auch nicht erschrecken, wenn ihnen Gerichtsvollzieher mit Pfändungsandrohungen und Rechtsanwälte mit Klageandrohungen in Millionenhöhe ins Büro marschieren, der üblichen Form, wie man Deutschland seinen Ruf verteidigt, wenn man sowas Ähnliches noch hat.

Aber da kommen sie für einen Bernau zu spät, der längst seine Termine abspult, die ihn dem Kern des Pudels immer näher bringen. Was dann Folgen hat, die die Story nicht nur weiter beschleunigen, sondern sie auch höchst explosiv werden lassen. Vielleicht ein bisschen sehr explosiv. Vielleicht färbt ja der Hardcore-Krimi aus dem deutschen TV nicht nur auf den Action-Faktor in den geschriebenen Krimis ab, sondern auch auf die Wirklichkeit? Wer weiß das schon. Wenn Herren in feinem Zwirn alles zu verlieren haben, heißt das ja nicht, dass sie sich weiterhin anständig benehmen und nicht wissen, wo man die Profis bestellen kann, die dann mal schnell unangenehme Zeugen aus der Welt räumen.




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Tod eines Revisors
Olaf Jahnke, fhl Verlag 2014, 13,00 Euro

Es gelingt ihnen fast. Und am Ende passiert sogar noch ein kleines Wunder: Ein Teil der Story landet tatsächlich in der Zeitung und hat sogar Folgen. Man glaubt es kaum. Aber vielleicht ist das in Hessen sogar noch möglich. Wer weiß. Der Leser jedenfalls bekommt wieder eine diese schönen, beinah wahren Geschichten über den deutschen Alltag in der noblen Business Class. Mit viel Orts- und Typenkenntnis geschrieben, bei fhl noch einmal auf Form getrimmt, auf Tempo gebracht, bis es so richtig knallt. Zwischendrin gibt's ein paar Insider-Tipps zur Gastronomie in und um die Bankenstadt. Denn ohne gutes Essen und dann und wann einen Grauburgunder hält man die Tour de force nicht durch.

Edition Taunus

Kelkheimer Zeitung

Eine Krimilesung zum Jubiläum

Vierzig Jahre Buchhandlung Herr in Kelkheim – erst in der Hornauer Straße und dann in der „Alten“ Stadtmitte an der Frankenallee. Und da trifft es sich gut, dass ein Kelkheimer seinen ersten Kriminalroman schrieb, der sozusagen als Jubiläumsgabe am 28. November bei einer öffentlichen Lesung in der Buchhandlung seine öffentliche Premiere erlebt, nachdem das Buch schon in den kommenden Wochen in die Buchhandlungen kommen wird. Der Kelkheimer, der sich mit den Bösewichtern Kelkheims und der Umgebung beschäftigt, ist Olaf Jahnke. Der Titel seines Buches: „Tod eine Revisors“.

Rebekka und Brigitte Remer sowie Olaf Jahnke lernten sich in der Buchhandlung kennen; so ergab sich der Kontakt, der nun in die Lesung mündet.

Kelkheimer kennen Olaf Jahnke von seiner Mitarbeit in der UKW als Stadtverordneter. Im „zivilen Leben“ ernährt er seine Familie und sich als Kameramann und Reporter für den Hessischen Rundfunk in Frankfurt.

Er ist 1963 in Uelzen geboren und lebt seit 1982 in Hessen. Es ist sein erster Krimi, geschrieben hat er aber schon früh. Zuerst für die Schülerzeitung, kurz danach für die Lokalzeitung, später erschienen seine Artikel in überregionalen Blättern.

Nach sieben Jahren bei der Fernsehproduktion der FAZ wechselte er zum Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen. Olaf Jahnke lebt seit 2000 in Kelkheim, ist UKW-Stadtverordneter, Kreistagsabgeordneter und war im letzten Jahr Kandidat der Grünen für die Landtagswahl.

Die Handlungsorte seines Krimis liegen im Dreieck,Bad Homburg, Wiesbaden und Darmstadt. Eine große deutsche Bank, die natürlich im Frankfurter Bankenviertel beheimatet ist, spielt eine sehr wichtige Rolle. Kurz der Inhalt: Der leitende Innenrevisor einer großen deutschen Bank wird in der Königsteiner Privatpsychiatrie tot aufgefunden.

Die Polizei ermittelt nicht, Selbstmord durch Psychopharmaka, nichts Ungewöhnliches in der Klinik. Die Witwe will nicht glauben, dass ihr Mann sich umgebracht hat. Sie beauftragt den Privatermittler Roland Bernau, den Mörder zu finden. Und der wohnt in Kelkheim in der Parkstraße mit seiner Detektei in der Stadtmitte Süd. Er mag gutes Essen. Ob in besseren Restaurants, Bistros oder einfach einem Café am Markt.

Vielleicht dehnt er seine Ermittlungen auch in die Buchhandlung Herr in der Stadtmitte Süd aus, um zu erfahren, dass diese Buchhandlung in den letzten Jahren durchaus modern geworden ist, sich der Zeit angepasst hat. Das E-Book ist „kein Böser“, den man ablehnen muss, sondern es hat Eingang im Sortiment der Buchhandlung gefunden. (www.buchhandlung-herr.de). Damit geht man auf das Lese- und Leserverhalten ein. Auch in Kelkheim werden deutlich mehr E-Books als vorher gelesen, berichten die Buchhändlerinnen. Viel Literatur, die konsumiert wird gehört in die Sparte Krimis. Die große Chance also für Olaf Jahnke. Andererseits werden auch wieder mehr anspruchsvolle Romane gelesen, vor allem vom „gebildeten Publikum“.

Als besonders positiv sehen es die Buchhändlerinnen, dass sehr viel Kinderbücher, viele Bilderbücher, gekauft werden, Literatur, die von den Müttern für ihre Kinder ausgesucht wird. „Das schauen sich Mütter genau an und sehen: Ist das was für mein Kind.“

Durchaus den Absatz fördern Bücher von Nobelpreisträgern und wenn Bücher in den Medien auffällig besprochen werden.

Damit schließt sich wieder der Kreis zu Olaf Jahnke. Wie gesagt, die Lesung ist am 28. November. Das untere Bild zeigt den Buchtitel, oben ist Olaf Jahnke im Gespräch mit Kelkheimer Polizeibeamten, darunter der Chef der Station, Manfred Braun (r). Über das Thema wurde nichts bekannt. Vielleicht verrät er das bei der Lesung in der Buchhandlung Herr.

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